ECC89

Was hat es nun auf sich mit diesem “ECC Report 89”?

Diese Papier wurde im Oktober 2006 als Entwurf (engl.: draft) von der CEPT verabschiedet. Die CEPT ist der Zusammenschluss der europäischen Fernmeldeverwaltung (European Conference of Postal and Telecommunications Administrations). Die Anregung für dieses Papier kam von der IARU (International Amateur Radio Union), dem Zusammenschluss der nationalen Amateurfunkvereinigungen.

Der ECC 89 beschreibt eine Einsteiger-Lizenzklasse, die unterhalb der Einstufungen Novice (eingeschränkte Klasse) und HAREC rangieren soll.

Einige wichtige Punkte sind im Folgenden ins Deutsche übersetzt (Hervorhebungen in rot, Kommentare erscheinen in blauer Farbe):

Ziel dieses Papiers:

Mit der CEPT Empfehlung T/R 61-02 und dem ERC Report 82 sind zwei Stufen der Amateurfunk-Prüfungen beschrieben worden (HAREC und NOVICE). Dieses Papier beschreibt als dritte Stufe die Einsteiger-Klasse, einen Stoffplan für die Prüfung und ihre Durchführung. Die Verwaltungen sind nicht verpflichtet, alle Stufen umzusetzen. Abhängig von nationalen Gegebenheiten können sie entscheiden, ob sie von einer, zwei oder allen drei Stufen Gebrauch machen.

Es gibt also keinen - wie von manchen ELL-Befürwortern immer wieder angeführt - “Zwang zur internationalen Harmonisierung”, den der ECC Report 89 festschreibt. Im Gegenteil: jedem Land bleibt überlassen, wie sein Lizenzklassen-System aussehen kann, ob es eine Einsteiger-Lizenzklasse umsetzt oder nicht.

Zielgruppen:

  • junge Leute mit technischem Interesse
  • Anwärter, die von ihrer Ausbildung her nicht die Voraussetzungen erfüllen, von Anfang an sich mit höheren Prüfungsklassen zu beschäftigen
  • ältere oder pensionierte Menschen mit einem Interesse an Amateurfunk-Kommunikation

Die erste und die dritte Zielgruppe sind sicherlich nicht spezifisch für eine ELL. Sie sind in gleichermaßen Zielgruppen für höhere Prüfungsklassen.

Die Definition der zweiten Zielgruppe suggeriert, es sei eine bestimmte Vorbildung erforderlich, um sich mit höheren Prüfungsklassen zu beschäftigen. Die Erfahrung der vergangenen Dekaden lehrt aber, dass Zigtausende von Funkamateuren mit unterschiedlichsten beruflichen und sozialen Hintergründen auf Anhieb den Zugang zu höheren Lizenzklassen bewältigt haben. Dies ist keine Frage der Vorbildung; entscheidend dafür ist die Qualität der Ausbildung und die Motivation des Lernenden.

Die ELL sollte allen Zielgruppen erlauben, Erfahrung zu sammeln mit

  • Betriebstechnik
  • Antennenbau
  • ungewöhnlichen Ausbreitungsarten
  • digitalen Übertragungsverfahren in Verbindung mit Computer-Technologie

Was die Autoren mit “ungewöhnlichen Ausbreitungsarten” (i.O.: anomalous propagation modes ) meinen, erschließt sich nicht so recht. Warum ausgerechnet diese von besonderer Bedeutung für eine Einsteigerlizenz sein sollen, ebenfalls nicht.

Digitale Betriebsarten in Verbindung mit Computern spielen zweifellos eine wichtige Rolle im heutigen Amateurfunk. Warum diese jedoch eine besondere Betonung gegenüber den klassischen (und immer noch wichtigsten) Betriebsarten des Amateurfunks erfahren sollen, bleibt ebenfalls wenig nachvollziehbar.

Auch ist wünschenswert, dass ihnen (Anm.: den Zielgruppen) ermöglicht wird, erste Erfahrungen im Eigenbau zu sammeln. Haben Funkamateure einmal eine Einsteigerlizenz erreicht, wird erwartet, dass sie den Wunsch haben, eine höhere Lizenzklasse zu erreichen entsprechend den CEPT-Klassen, wie sie in  der Empfehlung T/R 61-02 oder ERC Report 32 beschrieben sind.

Während der erste Satz noch zustimmungsfähig wäre, glänzt der zweite durch eine besonders blumige - oder schwammige? - Aussage. Ja was denn nun? Sollen, können, dürfen oder müssen sie aufstocken? Schwer fassbar, dass “Experten” so ein Wischiwaschi produzieren.

Lösungsvorschlag

Gegenwärtig besuchen besuchen Anwärter für eine Amateurfunk-Lizenz (in manchen Ländern “Zertifikat”) einen Theorie-Kurs (häufig teilzeitlich), der von einem Ausbilder eines örtlichen Amateurfunkvereins abgehalten wird. Dann wird eine Prüfung abgenommen, häufig von einer nationalen Behörde oder einem damit beauftragten Vertreter. Dieser Prozess kann bis zu einem Jahr andauern und während dieser Zeit werden oft keine praktischen Erfahrungen gemacht, weil der Auszubildende nicht “in der Luft” ist und auch keine Unterweisung diesbezüglich erfolgt.

Schwer zu sagen, aus welchem Land die Verfasser des ECC 89 kommen. Deutschland kann es jedenfalls nicht sein. Ausbildung in Ortverbänden, an Schulen, Volkshochschulen o.ä. ist sicherlich ein Weg zur Amateurfunklizenz. Aber bestimmt nicht der einzige. Viele Anwärter sind auch in der Lage, sich den Stoff durch Selbststudium (Literatur, Computer-Lehrgänge) anzueignen.

Dem Vorwurf der mangelnden Praxisbezogenheit heutiger Ausbildungen ist grundsätzlich zuzustimmen. Die Folgen sind täglich auf den Bändern zu hören. In Deutschland gibt es aber genügend Elemente im Rahmen der Ausbildung, um dem entgegen zu wirken: die Hörertätigkeit (SWL) müsste (wieder) aufgewertet werden (Stichwort: DE-Prüfung). Ausbildungsstationen (DN-Calls) bieten ebenfalls ausgezeichnete Möglichkeiten, praktische Erfahrungen zu sammeln.

Die Problematik der mangelhaften praktischen Ausbildung ist im übrigen nicht auf die ELL beschränkt. Sie gilt für alle neuen Funkamateure verschiedenster Lizenzklassen.

Dies ist zu lang. Die Zeit, die von der Erklärung eines Interesses bis zum Erhalt einer Amateurfunklizenz verstreicht, sollte ein paar Wochen, höchstens Monate dauern. Man sollte nur wenig Zeit benötigen, um eine Einsteigerlizenz zu erhalten. Die Zielsetzung ist, Anfänger einzubinden, damit sich ihr Interesse schnell steigert.

In Deutschland ist des Lernpensum für die gegenwärtige Einsteigerlizenz Klasse E mit einem angemessenen Lernaufwand in längstens einem halben Jahr zu schaffen. Viele bewältigen es in deutlich kürzerer Zeit.Wieso sollte diese Zeit zu lang sein, wenn man sich für die Teilnahme an einem wissenschaftlich-technischen Funkdienst qualifizieren will? Das Interesse eines - wirklich interessierten - Einsteigers wird ihn auch ohne weiteres zur Klasse E führen. Ob die gewaltsame Einbindung bildungsferner Bevölkerungsschichten dem Amateurfunk langfristig nutzt, ist zu bezweifeln.

Die ELL Ausbildung und Prüfung sollte wesentlich kürzer sein, weniger theoretisch und eine praxisorientierte Ausbildung beinhalten, damit der Anwärter ein “sicherer” Operator wird. “Sicher” bedeutet, dass der Lizenzinhaber die Vorschriften und technischen Anforderungen versteht, die andere Nutzer des Frequenzspektrums schützen, und dass er sich einer guten Betriebstechnik bewusst ist.

Und das soll - wie von DARC-Funktionären vorgeschlagen - mit Intensivkursen während zweier Wochenenden gewährleistet werden? Wir beginnen, den Amateurfunk gegenüber Gesellschaft, Industrie, Behörden und Politik ins Lächerliche zu ziehen.

[wird fortgesetzt]

 

 

 

W

[ProAmateurfunk] [Konzept] [ELL Minderheitenvotum] [Feedback] [Lizenzklassen] [Klasse K] [ECC89] [Impressum] [Kontakt]