Konzept

Konzept zur Verbesserung der Zukunftsaussichten des Amateurfunks und des DARC unter Vermeidung immer niedrigerer Prüfungsanforderungen für Einsteiger

Zurzeit plant der DARC die Einführung einer Amateurfunk Einsteigerklasse unterhalb der Klasse E, Klasse K (K = Kleine Klasse), um mehr Mitglieder und Funkamateure zu gewinnen. So sinngemäß die Begründung im Antrag 13C der DARC-Mitgliederversammlung Mitte Dezember 2008. Dieses Konzept will alternative Lösungswege aufzeigen, wie der Organisationsgrad des DARC ohne Absenkung der Prüfungsanforderungen verbessert werden kann.

Folgende Personen haben an der Erarbeitung des Konzeptes mitgewirkt (in alphabetischer Reihenfolge des Nachnamens):

Werner Jochem, DK7VW
Karsten Koch, DL8LBK
Peter Plate, DB6ZH
Peter Völpel, DF3KV

Vorwort

Im DL-Rundspruch 01/2009 wird den Gegnern der Entry-Level-Lizenz (ELL), respektive der für Deutschland geplanten Klasse K vorgeworfen, keine eigenen Konzepte vorweisen zu können. Dabei wurden von der RRDXA bereits im Juli 2008 Vorschläge zur ELL gemacht.

Wir möchten nun mit diesem Konzept konstruktiv aufzuzeigen, wie wir uns die Zukunft des Amateurfunks und des DARC vorstellen, ohne die Einstiegsanforderungen für den Amateurfunk immer weiter zu senken.

Für uns stehen folgende Überlegungen im Vordergrund:

  1. Erhalt des Amateurfunkgesetzes und des Amateurfunkdienstes gemäß seiner Definition in § 2 AfuG:
  2. Wir brauchen für eine starke Lobbyvertretung mitgliederstarke Verbände in RTA und DARC. Deshalb ist es erforderlich auch unter schwierigen Bedingungen Mitglieder zu halten oder gar (zurück) zu gewinnen.
  3. Erhalt des Selbstbaurechts gem. Amateurfunkgesetz § 5 (2).
  4. Die Einsteigerklasse nach dem ECC Report 89 beruht auf einem Vorschlag der CEPT. Dieser Vorschlag lässt in seiner Präambel offen, ob und wie eine ELL national umgesetzt werden kann. Wir sehen keine Verpflichtung eine ELL einzuführen.
  5. Die Behörden beabsichtigen ihrerseits nicht, aktiv eine ELL einzuführen

 

Lösungsvorschläge

AK-Zukunft / Taskforce Mitgliedergewinnung (DARC Strukturen aufbrechen)

Der DARC verliert bereits über viele Jahre Mitglieder. Die Organisationsquote (Verhältnis zwischen lizenzierten Funkamateuren und DARC-Mitgliedern) wird immer kleiner. Dies hatte der AR bereits 1998 erkannt und u.a. Harry Timm, DL6HBT, beauftragt einen Arbeitskreis Zukunft zu bilden und Vorschläge für die Zukunft zu machen. Was daraus geworden ist macht deutlich, wo strukturelle Probleme im DARC liegen, die mit eine wichtige Ursache für den ständigen Mitgliederverlust sind. (Der Bericht von Harry Timm kann nachgelesen werden im Amateurratsprotokoll vom Mai 1999, Seite 85-91.)

[Außerdem können Sie Abschlussbericht von DL6HBT an dieser Stelle als PDF-Datei herunterladen.]

Lizenzen und DARC-Mitglieder

Grafik von DB6ZH auf Grundlage von veröffentlichten Angaben des DARC

Unser Vorschlag:
Der Amateurrat unternimmt einen zweiten Anlauf wie 1997/98 und bildet einen neuen „Arbeitskreis Zukunft“, der die Ideen von damals überprüft und an die gegenwärtigen Verhältnisse anpasst.

In diesem Zusammenhang gilt es die Taskforce Mitgliedergewinnung zu reanimieren und die Arbeit konsequent zu Ende zu führen (AR-Protokoll 02/2002, Seite 14ff).

Der Amateurrat bekennt sich zur Umsetzung der Ergebnisse, ungeachtet persönlicher Einzelinteressen im Interesse von DARC und Amateurfunk.

 

Neue Beitragsklassen

Hinweise für weitere Vorschläge gibt das AR-Protokoll vom November 2007 auf Seite 34:

Austrittsgründe

 

Wenn man die Anzahl der Austritte ohne Angabe von Gründen prozentual genauso auf die Gründe verteilt, die von den Ex-Mitgliedern angegeben wurden, dann sieht man welches Potential erhalten werden kann, wenn man diesen Mitgliedern entsprechende Angebote macht, bevor sie den Club verlassen. Da diese Statistik sehr aufschlussreich ist, sollte die Geschäftsstelle durchweg versuchen herauszufinden, warum das Mitglied gekündigt hat. Telefonische Nachfragen wären sicher machbar, wenn das Ex-Mitglied keine Angaben gemacht hat.

Insbesondere inaktive Funkamateure verlassen den DARC, auch wenn sie sich noch mit dem Amateurfunk verbunden fühlen und ihn vielleicht später wieder ausüben wollen (nur sehr wenige geben die Lizenz zurück!). Dem DARC fehlen außerdem günstige Beitragsklassen für Mitglieder, die nicht unbedingt alle Clubleistungen beziehen wollen:

Folgende Beitragsklassen könnten eingeführt werden, um diese Mitglieder zu halten:

  • - fördernde Mitgliedschaft mit/ohne CQDL, ohne QSL-Vermittlung
  • - passive Mitgliedschaft mit/ohne CQDL, ohne QSL-Vermittlung
    (quasi wie fördernde Mitgliedschaft für Leute, die inaktiv sind und normalerweise austreten würden.)
  • - preiswertere Seniorenmitgliedschaft (65+)
  • - Ehrenmitgliedschaften (Marketingeffekt)

Der DARC muss für die Zukunft auch seine Leistungen überprüfen und Kostensenkungen durchführen, die die Beiträge reduzieren oder stabil halten können. Insbesondere Druck & Versand der CQDL verursachen hohe Kosten, wie aus den AR-Protokollen zu entnehmen ist. Im Zeitalter des Internets und e-Mail ließen sich an dieser Stelle sicherlich erheblich Kosten einsparen:

  • - Mitgliedschaft mit CQDL im PDF Online-Bezug (entsprechend ermäßigt, spart Druck- und Portokosten).
  • - Mitgliedschaft ohne CQDL auch für Familienmitglieder, die nicht am gleichen QTH wohnen.
  • - Beitragsanpassung für Mitgliedschaft mit CQDL Papier-Bezug (entsprechend erhöht).

Ziel: Ein höherer Organisationsgrad, der uns erlaubt unsere Interessen wirkungsvoller zu vertreten -> Einfluss in der Politik.

Natürlich birgt dies die Gefahr, dass Mitglieder in kostensparende Beitragsklassen wechseln und damit Beiträge verloren gehen. Ein Großteil dieser Mitglieder dürfte jedoch ohnehin bald den Club verlassen, bzw. es gibt Aufschluss darüber, welche Serviceleistungen des Clubs tatsächlich gewünscht (und bezahlt) werden.

 

Offenheit und Information (DARC-Forum, CQDL, Vorstands-Info)

Der DARC muss offen und konstruktiv mit den Mitgliedern diskutieren und auch Kritik ernst nehmen und sachlich begründet auf Kritik eingehen. Unliebsame Themen weitgehend zu ignorieren und tot zu schweigen schafft kein Vertrauen.

Dies könnte zum Beispiel im moderierten DARC-Forum passieren. Das gilt insbesondere für Themen, die die Mitglieder unmittelbar in ihrem Funkalltag treffen. Maulkörbe für Funktionre bleiben im Zeitalter des Internets nicht mehr geheim und führen zu Verdruss und Unmut unter den Mitgliedern.

Bezüglich der Zustände im Forum ist ein konsequent moderierter Verhaltenskodex zu implementieren, der auch die Umgangsformen achtet und zu Löschungen und Sperrungen berechtigt. Solche Löschungen und/oder Sperrungen erfolgen nach einem festgelegten Procedere mit Warnung und Begründung als PN (persönliche Nachricht) oder e-Mail. Es hat nichts mit Zensur zu tun, wenn ohne „Nasenfaktor“ objektiv moderiert wird.

Das Forum abzuschotten macht potentielle Neumitglieder stutzig. Wenn das Forum gut moderiert wird, braucht man es auch nicht verstecken.

Gegebenenfalls wäre auch zu überlegen einige Vorstands-Informationen in den allgemein zugänglichen Teil “DARC aktuell” zu stellen, soweit für Nicht-Mitglieder ein interessanter Werbeeffekt entsteht. Zumal der DARC als Sprecher des RTA alle Funkamateure vertritt und nicht nur seine Mitglieder. So können sich potentielle Neumitglieder besser über die Leistungen des Vorstands oder der Stäbe informieren.

 

Ideenwettbewerbe (Basisdemokratie, Mitgliederbeteiligung)

Eine intensive Mitgliederbeteiligung motiviert die Mitglieder und hält sie im Club. Sie haben das Gefühl gehört zu werden und erleben, dass ihre Ideen in Veränderungsprozesse eingehen. Sie haben (wieder) Spaß daran, sich im Club zu engagieren. Entscheidungsprozesse dürfen gerne etwas länger dauern, wichtig ist das gute Ergebnis auf breiter Basis und eine sachliche Begründung für die getroffenen Entscheidungen.

 

PR Maßnahmen (Marketing)

Der DARC muss prüfen, ob und wie weit er sein „Marketingkonzept“ richtig positioniert hat. Hierzu schlagen wir vor externe Hilfe in Anspruch zu nehmen, oder besser, im Marketing versierte Funkamateure einzubinden. Der DARC braucht effiziente Instrumente mit denen er insbesondere Jugendliche anspricht und sie für den Amateurfunk begeistert.

Aktivitäten der OVs in Schulen (Afu AG, Projektwochen, …) und anderen Bereichen (Pfadfinder, THW, DLRG, DRK, …) mssen besonders gefördert werden. Dazu gehören auch VHS-Kurse, Ferienpassaktionen und die Beteiligung an Stadtfesten.

Weiterhin sehen wir es als Fehler an, die Vorstandsposition für Öffentlichkeitsarbeit aufgegeben zu haben. Es findet sich auch kein nachvollziehbarer Hinweis in den Amateurrat-Protokollen, warum diese Entscheidung gefallen ist.

Hinweis: Ein Konzept zum Umgang mit den Medien gibt es von Michael Link, DK7EO:
http://dk7eo.twoday.net/topics/So+geht%27s

 

ECC-Report 89

Der ECC-Report 89 ist ein Vorschlag der EU Fernmeldebehörden für eine Einsteigerlizenz. Diesem Beschluss hat sich ohne Einschränkungen auch die Bundesregierung angeschlossen und eine ELL für Deutschland damit mitgetragen.

Die Möglichkeit des Selbstbaus aller benötigten Geräte muss auch in Zukunft ein grundsätzlicher Bestandteil des Amateurfunkdienstes in Deutschland sein. Deshalb soll sich, was die Anforderungen an eine Prüfung angeht, nichts am Status Quo in Deutschland ändern. Wir brauchen also eine Lösung, die sich im Rahmen dieser nationalen Besonderheiten (siehe oben) am obersten Rand des ECC-Reports 89 orientiert. Dies hat auch die Behörde so zum Ausdruck gebracht.

Diese Lösung könnte wie folgt aussehen:

  1. Der Ausbildungsbetrieb könnte erweitert werden. Dazu bedarf es einer engen Abstimmung mit den Behörden, was machbar ist und was nicht. Unser Ansatz sieht vor, dass in Ausbildungskursen des DARC akkreditierte Newcomer unter bestimmten Voraussetzungen auf 2m und 70cm in FM selbstständig Funkbetrieb zu Ausbildungszwecken ausüben dürfen, solange sie die Prüfung zur Klasse E noch nicht geschafft haben. Der Ausbilder (DN-Call Inhaber) hat die Möglichkeit den Funkbetrieb von seiner Station aus zu begleiten. Im Rahmen des Funkbetriebes ist das DN-Call mit einem Suffix zu verwenden (Details Verhandlungssache mit den Behörden; geregelt über die AfuV).
  2. Das DN-Call sollte auch vom Rufzeicheninhaber an andere Klasse A Funkamateure delegiert werden können, bzw. an eine Clubstation. So könnten mehr Funkamateure die Verantwortung für den Ausbildungsbetrieb übernehmen und den Rufzeicheninhaber entlasten.
  3. Um die 10 W EIRP Problematik dabei zu entschärfen schlagen wir vor, dass der Ausbilder oder ein EMV-Referent die Selbsterklärung für den Schüler anfertigt, als Bürge unterzeichnet und der Schüler diese SE bei der BNetzA abgibt. Die Leistung für den Ausbildungsbetrieb von Zuhause sollte zusätzlich auf 10 W out begrenzt sein. Das dürfte durch Vergleichswerte für den Ausbilder zu kontrollieren sein. Dies bietet auch für die Behörde die Gewähr, dass Personenschutzwerte nicht überschritten werden. Im Fall der Klasse K wäre das nicht der Fall, da der Klasse K Inhaber gar nicht berechnen kann, ob er unter 10 W EIRP liegt.

Vorteile:

  1. Alle erlaubten Bänder und Leistungen im Ausbildungsbetrieb (unter Aufsicht) verwenden zu dürfen, gibt ein Gefühl für den realen Amateurfunkbetrieb. Dies lässt sich mit auf 10 W EIRP limitierten Individuallizenzen nicht einstellen. So wird z.B. trotz Selbstbaurecht die Experimentierfreude je gedämpft, wenn man die gewonnen dB der besseren Antenne durch Reduzierung am Powerregler wieder hergeben muss.
     
  2. Größere Nähe und Verbundenheit zum DARC. Mit einer einfach erhältlichen Individuallizenz steht zu befürchten, dass Newcomer eher selten am Ausbildungsbetrieb teilnehmen, weil sie innerhalb kurzer Zeit den Stoff für eine Prüfung auswendig lernen können.
     
  3. Es steht immer die Klasse E am Ende der Ausbildung. Menschen, die sich nicht auf Basis seiner Definition mit dem Amateurfunkdienst befassen wollen – also eher selten aktiv den Amateurfunk bereichern, weniger am Clubleben als DARC-Mitglieder teilnehmen und kein Interesse haben jemals die Klasse E zu erwerben – bleiben die wertvollen Ressourcen und Privilegien eines Funkamateurs verschlossen.
     
  4. Es entstehen für den Newcomer weniger Kosten für die Prüfung und Rufzeichenzuteilung, weil eine Prüfung / Rufzeichenzuteilung bis zur Erlangung der Klasse E entfällt.
     
  5. Da der Newcomer per Definition (noch) kein Funkamateur ist, entfällt die AfuG - Problematik mit dem Selbstbaurecht. Dennoch kann der Newcomer ganz ohne Prüfung Funkbebetrieb auf 2m/70cm in FM machen, aber nur unter der Voraussetzung, dass er sich an den DARC bindet (Ausbildungsbetrieb / Kursus) und am Ende eine Lizenz erwirbt (befristetes Recht). Wer das nicht will, wird auch mit Klasse K kein DARC - Mitglied.

Dies wäre unser Vorschlag für Rahmenbedingungen in Gesprächen mit den Behörden, gemäß. Amateurrat - Beschluss zum Antrag 13c in der Mitgliederversammlung 2008.

 

Mitglieder- Mehrheit wünscht dennoch eine Klasse K

Sofern sich nach ehrlicher und umfassender Diskussion und unter nüchterner Analyse aller Fakten herausstellen sollte,  dass die Klasse K in DL eingeführt werden soll, so schlagen wir folgende Rahmenbedingungen vor:

1. Sendeleistung: 10 W out
Die BEMFV-SE wird von einem kompetenten OM (z.B. OV EMV-Referent) geprüft und als „Bürge“ unterschrieben. Dies erhöht auch die Bindung an den DARC. Für alle anderen gilt 10 W EIRP.

2. Modulationsarten: alle im Amateurfunk gebräuchlichen

3. Frequenzbereiche:
HF: 3,550 – 3,700 MHz (incl. CW-QRP und QRS Treff-Frequenzen)
28,000 – 29,700 MHz
VHF/UHF: 144,150 – 145,800 MHz
430,000 – 440,000 MHz
SHF: 10,000 – 10,400 GHz

4. Selbstbaurecht

5. Upgradefähigkeit zur Klasse E (nur Betriebstechnik)

6. Keine Änderung des AfuG

7. Internationale (EU) Harmonisierung / Anerkennung der Entry-Class auf Basis des ECC Reports 89.

8. Verpflichtung für mindestens 20 Jahre weitere Zusammenlegungen von Lizenzklassen und weitere Vereinfachungen der Zugangsvoraussetzungen mit dem Ziel der Nachwuchsgewinnung auszuschließen, wenn sich herausstellt, dass mit der Klasse K das Ziel „Nachwuchsgewinnung“ nicht erreicht wird. Wir brauchen dann nicht mehr von der falschen „Medizin“ sondern neue, wirksame Rezepte.

 

Schlussbetrachtung

Wir sind der Meinung dass es keinen Sinn hat auf Krampf Nachwuchs zu „produzieren“, was unseres Erachtens auch scheitern wird. Mittel- und langfristig muss sich der Amateurfunk und der DARC auf sinkende Mitgliederzahlen einstellen und sich organisatorisch und finanziell entsprechend aufstellen. Alleine die demografischen Zusammenhnge zwingen uns dazu.

Wir können versuchen diese Entwicklung zu bremsen, indem wir vor allem Alt-Mitglieder im Club halten. Dazu bedarf es gemeinsamer Anstrengungen. Die simple Formel der Reduzierung von Anforderungsprofilen kann in dem schwierigen Umfeld jedoch keinen Erfolg haben.

Es gibt kein Lizenzproblem, es gibt ein Mitgliederproblem!

Siehe AR-Protokoll vom Februar 2002, Seite 14 (Task-Force Mitgliedergewinnung).

Anlage: Untersuchung zur demografischen Entwicklung von DB6ZH

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