Vergangenheit

59 Jahre deutscher (Nachkriegs-)Amateurfunk

[Anmerkung: wir gehen hier nur auf die Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland ein. Eine vergleichende Betrachtung bezogen auf die DDR wird nicht dargestellt. Dementsprechender Input ist willkommen.]

Als das deutsche Amateurfunkgesetz am 23. März 1949 in Kraft trat, war das System der Lizenzklassen recht einfach: es gab de facto nur eine einheitliche Amateurfunk-Prüfung; diese mündete in eine Lizenz der Klasse B, die nach einem Jahr in Klasse A gewandelt werden konnte. Klasse A und B unterschieden sich nur in der Begrenzung der Sendeleistung (genauer: Anoden-/Kollektorverlustleistung).

Diese Lösung mag zwar heute etwas unflexibel erscheinen. Sie hatte allerdings einen unschätzbaren Vorteil: alle Funkamateure waren (zumindest nach einem Jahr) gleich, es gab keinerlei Neid-Diskussionen und kein “Herab-Blicken” auf Funkamateure, die eine Prüfung niedrigerer Qualifikation absolviert hatten.

Diese Situation blieb fast 20 Jahre so. 1967 entschloss man sich, eine weitere Lizenzklasse einzuführen: die Klasse C - damals auch “UKW-Lizenz” genannt. Die Inhaber dieser Lizenz durften Amateurfunk auf den Bändern ab 144 MHz betreiben. Der Prüfungsumfang im Bereich Technik war reduziert (das änderte sich später) und es waren keine Kenntnisse in der Morse-Telegrafie nachzuweisen.

Rückblickend kann man sagen: die “C-Lizenz” war ein großer Erfolg! Sie brachte dem Amateurfunk in Deutschland viele neue Freunde, allerdings auch dadurch, dass keine Telegrafie-Prüfung absolviert werden musste - eine Hürde, die viele von der “Kurzwellen-Lizenz” fern hielt.

Allerdings führte diese Differenzierung des Lizenzklassen-Systems auch zu negativen Folgen: auf einmal hielten sich manche Inhaber einer A-Lizenz für die “besseren” Funkamateure (in Wahrheit waren sie höchstens besser qualifiziert), mit der umgekehrten Folge, dass die einige “C-ler” beständig “nach oben” schielten und fragten: “Wieso dürfen die, was wir nicht dürfen?” Spätestens als später das technische Prüfungsniveau von C an A angeglichen wurde, und der einzige Unterschied nur noch in der Ablegung der CW-Prüfung lag, war diese Frage sicherlich berechtigt.

1980 beschloss man, den Zugang zum Kurzwellenfunk zu erleichtern. Die bisherige Klasse A (mit Umwandlung in B nach einem Jahr) fiel weg; es wurde eine neue Klasse A mit reduzierten Prüfungsanforderungen (CW Tempo 30 BpM statt 60 BpM für B) und geringeren Nutzungsprivilegien geschaffen. Die zugehörigen Rufzeichen waren am DH-Prefix erkennbar.

Eine weitere entscheidende Änderung im System der Lizenzklassen kam 1998: die beiden bisherigen Kurzwellen-Klassen B und A wurden zu einer neuen Klasse 1 zusammen geführt; die Klasse C (UKW) hieß fortan Klasse 2, und es wurde zusätzlich eine Einsteiger-Lizenz Klasse 3 (DO als Präfix) installiert. Die neue Klasse 3 durfte mit geringer Leistung (10 W EIRP) das 2m- und das 70cm-Band nutzen. Da die Leistungsbeschränkung die Abgabe einer Erklärung nach BEMFV überflüssig machte, konnte man die Anforderungen an die Zugangsprüfung sehr einfach gestalten.

In den folgenden Jahren kam es zu weiteren Vereinfachung beim KW-Zugang; das Prüfungtempo für den CW-Teil wurde reduziert.

Am 15. Februar 2005 wurde dann das vorerst letzte Kapitel im Buch der beständigen Veränderung geschrieben: die Notwendigkeit der Telegrafie-Prüfung wurde generell abgeschafft. Folgerichtig wurden die Klassen 1 und 2 zusammen geführt (die sonstigen Prüfungsanforderungen waren ohnehin schon angeglichen) zu einer neuen Kurzwellen-Klasse, die wieder den alten Namen Klasse A trug. Gleichzeitig wurde die bisherige Klasse 3 zur Klasse E aufgewertet; die Inhaber erhielten Priviligien bezüglich der Nutzung von Kurzwellenbändern und für 10 GHz, die Leistungsgrenze wurde auf bis zu 100W erhöht. Allerdings musste dadurch auch das Prüfungsniveau nach oben angepasst werden, da die Inhaber ggf. eine Erklärung zur BEMFV abgeben müssen.

Gegenwärtig gibt es damit in Deutschland zwei Lizenzklassen, die der CEPT-Einteilung HAREC (volle Priviliegien) bzw. NOVICE (eingeschränkte Klasse) entsprachen.

 

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